12.09.2017

von Börsenverein B° RB

Aslı Erdoğan

Brief an Präsident Erdoğan: Lassen Sie Aslı Erdoğan ausreisen! Update: Die türkische Autorin Aslı Erdoğan hat ihren Reisepass zurückerhalten und kann höchstwahrscheinlich zur Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises am 22. September 2017 ausreisen

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V., Laudator für Aslı Erdoğan

Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis: Stadt Osnabrück, Juryvorsitzender und Laudator des Preises appellieren in Brief an den türkischen Präsidenten. Autorin kann trotz Aufhebung des Ausreiseverbots das Land zur Preisverleihung nicht verlassen. 

Die Akteure des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises an Aslı Erdoğan appellieren in einem gemeinsamen Brief an Recep Tayyip Erdoğan: Sie fordern von dem türkischen Präsidenten, der Autorin die Ausreise zur Preisverleihung am 22. September zu ermöglichen. Nach momentanem Stand wird Aslı Erdoğan nicht für die Preisverleihung im Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück aus der Türkei ausreisen dürfen. Zwar wurde das Ausreiseverbot gegen sie gerichtlich aufgehoben, sie erhält aber ihren Reisepass nicht zurück.

Der Brief ist unterzeichnet von Wolfgang Griesert, Oberbürgermeister der Stadt Osnabrück und stellvertretender Juryvorsitzender, Prof. Dr. Wolfgang Lücke, Präsident der Universität Osnabrück und Juryvorsitzender sowie Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Laudator für Aslı Erdoğan. Sie appellieren an die von Präsident Erdoğan selbst proklamierten rechtsstaatlichen Prinzipien und fordern ihn auf, die Verbindungen zwischen Deutschland und der Türkei aufrechtzuerhalten.

Der Brief im Wortlaut:

"Sehr geehrter Herr Präsident,

am 22. September diesen Jahres vergibt die Stadt Osnabrück den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis an die türkische Schriftstellerin Aslı Erdoğan. Mit dem Preis werden Autorinnen und Autoren ausgezeichnet, die sich mit den Themen ,Innerer und äußerer Friede‘ auseinandersetzen, sowie Persönlichkeiten, deren publizistisches Engagement für Frieden, Humanität und die Freiheit des Menschen beispielhaft ist.

Mit Unverständnis müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass Frau Erdoğan den Preis nicht persönlich entgegennehmen kann. Obwohl das Ausreiseverbot gegen sie gerichtlich aufgehoben wurde, erhält sie ihren Reisepass nicht zurück. Hiermit bitten wir Sie, Aslı Erdoğan die Ausreise zu ermöglichen. Sie soll den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis persönlich in Empfang nehmen können, der eine große Auszeichnung für sie und für die türkische Literatur im Allgemeinen darstellt.

Sie haben betont, dass die Türkei ein Rechtsstaat sei. Bitte setzen Sie dazu ein Zeichen! Sorgen Sie dafür, dass die Bänder zwischen unseren Ländern nicht abreißen, indem Sie den Bürgerinnen und Bürgern der Türkischen Republik die Freiheit gewähren, unser Land besuchen zu können.

Hochachtungsvoll,

Wolfgang Griesert, Oberbürgermeister der Stadt Osnabrück, stellvertretender Juryvorsitzender

Prof. Dr. Wolfgang Lücke, Präsident der Universität Osnabrück, Juryvorsitzender

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V., Laudator für Aslı Erdoğan“

Frankfurt am Main, 7. September 2017

Börsenverein zur Ausreiseerlaubnis für Aslı Erdoğan

Die türkische Autorin Aslı Erdoğan hat ihren Reisepass zurückerhalten und kann höchstwahrscheinlich zur Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises am 22. September 2017 ausreisen. Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Laudator für Aslı Erdoğan:

„Wir freuen uns sehr und sind erleichtert über die Nachricht, dass Aslı Erdoğan ihre Reisedokumente erhalten hat. Damit sind die Voraussetzungen gegeben, dass sie ausreisen und bei der Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises persönlich anwesend sein kann. Das ist ein Lichtblick für die türkische Autorin, die seit über einem Jahr bar jeder Rechtsstaatlichkeit drangsaliert und mundtot gemacht wird. Dies vereint sie mit vielen anderen Autoren, Journalisten und Verlegern, die weiterhin in der Türkei inhaftiert sind, unter Druck gesetzt und verfolgt werden. Auch sie dürfen wir nicht vergessen. Wir fordern die türkische Regierung auf, die Repressalien gegenüber allen Medien- und Kulturschaffenden umgehend zu beenden, damit diese wieder frei leben, reisen und ihre Meinung äußern können.“

Der Börsenverein setzt sich seit Monaten für ein Ende der Verfolgung von Aslı Erdoğan ein. Erst gestern hat Alexander Skipis zusammen mit dem Oberbürgermeister der Stadt Osnabrück und dem Jury-Präsidenten des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises einen Brief an Recep Tayyip Erdoğan öffentlich gemacht, in dem die Unterzeichner den türkischen Präsidenten auffordern, der Autorin die Ausreise zur Preisverleihung am 22. September zu ermöglichen. 

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